Wie zu befürchten war, steigen die Umlagen auf Stromnetzentgelte 2027 deutlich, nämlich um rund 25% bzw. 0,725 ct/kWh.
Die Übertragungsnetzbetreiber haben pflichtgemäß die Umlagen für 2027 veröffentlicht. Wie schon in den Vorjahren gibt es durchgehend Steigerugnen, diesmal allerdings noch stärker.
Die KWK-Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung ist nur leicht auf 0,451 ct/kWh gestiegen. Darin ist ein Nachholeffekt aus 2026 in Höhe von 0,09 ct/kWh enthalten. Insgesamt werden so 1,46 Mrd. Euro umverteilt. 2027 soll es ein überarbeitetes KWK-Gesetz geben.
Die Offshore-Netzumlage zur Finanzierung der Netzanbindung der Offshore-Windparks steigt auf 1,143 ct/kWh, obwohl aus 2026 noch etwas Geld übrig ist. In absoluten Zahlen sind das 3,7 Mrd. Euro. Selbst wenn die Stromerzeugng aus Offshore-Wind in 2027 37 TWh betragen sollte (2025 waren es 26 TWh), ergibt das 10 ct/kWh für Offshore-Windkraft an Netzkosten. Damit ist der Strom an der Küste angekommen, aber noch lange nicht in Süddeutschland. Der Wert ist sogar noch gestiegen.
Am stärksten ist die Umlage für besondere Netznutzung gestiegen, nämlich um ein Drittel auf 2,077 ct/kWh. Seit 2025 finden sich hierin nicht nur die Kosten aus den Sonderregelungen nach §19 (2) StromNEV, sondern auch die Kosten, die den Netzbetreibern eindeutig für den Netzausbau für die erneuerbaren Energien entstehen. Letztere machen etwa zwei Drittel der Umlage aus. Insgesamt sind es 5,06 Mrd. Euro. Ein weiterer Anstieg ist sicher.

Es hat sich bewahrheitet, dass der relativ geringe Anstieg der allgemeinen Netzentgelte zum Teil auf die Auslagerung von Kosten in separate Umlagen zurückzuführen ist. Beide Effekte zusammen bedeuten ungefähr 1 ct/kWh netto an Kostensteigerungen für Haushalte und für nicht privilegierte Unternehmen. Gemessen an dem Preisanstieg, der auf die massiv gestiegenen Großhandelspreisefür Strom infolge der Ereignisse in der Straße von Hormus zurückzuführen ist, ist das noch harmlos. Je nach Beschaffungsstrategie dürfte diese Preissteigerung von 2026 auf 2027 im Mittel rund 5 ct/kWh ausmachen. Da hiflt auch eine Quasi-Abschaffung der Stromsteuer nicht. Erstaunlicherweise findet diese Entwicklung in der öffentlichen Diskussion bislang kaum Widerhall.
Die gewichtigste Umlage taucht in den Stromrechnungen nicht mehr auf: die EEG-Umlage ist zwar abgeschafft, aber die Kosten sind noch da und belasten den Bundeshaushalt in erheblichem Ausmaß. Für 2026 dürften die Kosten eher unter den Prognosen liegen, weil die Strompreise am Spotmarkt viel höher sind als erwartet. Für 2027ff. haben die ÜNB jetzt die vorgesehene Mittelfristprognose veröffentlicht.
Danach sind von der Regierung im kommenden Jahr gut 18 Mrd. Euro für die direkte Förderung der erneuerbaren Energien zu zahlen. Aufgrund der hohen Strommarktpreise fällt der Betrag niedriger aus als noch im Vorjahr unterstellt. Bis 2029 soll er auf über 22 Mrd. Euro ansteigen. Diese Prognosen sind genauso unsicher wie die Strompreisvorhersagen und die Wind- und Wetterprognosen.
Interessant ist, was da für Einzelannahmen in dem zugrundeliegenden Bericht zu finden sind. Für Solarstrom soll der Profilfaktor (Marktwertfaktor) bis 2031 auf 0,25 absinken – trotz Batterien. Auch für Windstrom soll der Profilfaktor weiter sinken, aber über 0,7 bleiben. Die Volllaststundenzahl von Wind an Land wird auf über 2.000 h/a prognostiziert. Das erscheint doch sehr optimistisch, die dahinterliegenden Windstrommengen erst recht. Obwohl Freiflächen-PV-Anlagen eine höhere Volllaststundenzahl aufweisen (2025: 790 h/a) als Dachanlagen sollen künftig die Dachanlagen höhere Volllaststundenzahlen erzielen, nämlich 2027 926 h/a, nachdem es 2025 nur 695 h/a waren. Was dabei wohl die Idee ist?