Am Spotmarkt ging es im Juli wegen guter EE-Einspeisung von sehr hohem Niveau ganz leicht nach unten, im Terminmarkt auf ganzer Front wegen Gasknappheit steil nach oben.
Spotmarkt
Obwohl schon der Juni eine ungewöhnlich hohe Solarstrahlung mit sich brachte, hat der Juli das Ergebnis noch einmal gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist es ein Drittel mehr, während nur rund 15% mehr installierte Leistung am Netz ist. Normalerweise ist der Juni der ertragreichste Solarmonat. Auch die Windstromerzeugung hat endlich mal wieder deutlich zugenommen. Damit ist die EE-Quote auf 71,1% gestiegen, der bislang höchste Wert im Jahr, aber niedriger als im Juni 2025. Die Kohlestromerzeugung und der Stromverbrauch haben ebenfalls zugenommen. Der Exportsaldo ist fast ausgeglichen. Die Temperaturen lagen 1,4 Grad über dem Mittelwert, die Niederschlagsmenge lag sehr weit unter Normalwerten, insbesondere im Süden und Westen, so dass die Wasserkraft weiterhin schwächelt.

Die Gaspreise am Spotmarkt sind im Monatsmittel deutlich auf 53,5 €/MWh gestiegen, am Monatsende lagen sie noch deutlich höher. Die CO2-Preise sind auf 80,4 €/EUA im Monatsmittel gestiegen. Die Vorschläge der EU-Kommission zum Emissionshandel (EU-ETS1) ab 2031 wurden vom Markt offenkundig nicht bearish interpretiert. Trotz düsterer Aussichten für die CO2-intensive Industrie liegen die Preise jetzt nur noch rund 5 €/EUA unter dem Niveau vom Januar. Die Stromerzeugung aus Erdgas hat sich damit weiter verteuert und kommt in der Meritorder sehr weit hinter Kohle.
Die Neigung zu Preisspitzen hat im Juli wieder abgenommen, es gab nur noch wenige Knappheitsstunden. Die Zahl der Stunden mit negativen Spotpreisen hingegen ist wieder auf 76 gestiegen. Allerdings gab es jeweils nur ganz leicht negative Preise und keine Ausreißer nach unten. Das stabilisiert den Profilfaktor für Solarstrom, auch wenn er im Vergleich zum Juni auf 0,515 gesunken ist. Der Profilfaktor für Windstrom an Land hingegen ist trotz der höheren Windstrommengen auf 0,891 gestiegen. Im Mittel hat der Strom im Spotmarkt 105,5 €/MWh gekostet. Das ist zwar etwas weniger als im Juni, aber etwas mehr als der Terminmarkt erwartet hat.

Terminmarkt
Langsam scheint es den Akteuren im Gasmarkt zu dämmern, dass die Speicherstände nach wie vor erbärmlich sind, sich das Einspeicherungstempo eher noch verlangsamt hat, im mittleren Osten weiter Krieg herrscht, die effektive Öffnung der Straße von Hormus in weiter Ferne liegt und das LNG-Angebot auf dem Weltmarkt auf absehbare Zeit knapp bleiben wird. Die Speicher in der EU sind zu gut 56% und in Deutschland zu gut 46% gefüllt. Der Abstand zum ohnehin schon schlechten Vorjahr ist damit noch größer geworden. Man wird mit sehr geringen Speicherständen in die Heizsaison starten.
Zur Erinnerung: Es gibt eine rechtliche Vorgabe, die Füllstände der deutschen Gasspeicher bis 01. November auf 80% zu erhöhen. Am 01. Februar müssen die Speicher noch zu 30% gefüllt sein. Das war dieses Jahr nur knapp erfüllt. Mit einigen Ausnahmen gilt das für jeden Speicher einzeln. Ist absehbar, dass die Marktmechanismen nicht ausreichen, um die geforderte Befüllung zu realisieren, so ist der Marktgebietsverantwortliche (Trading Hub Europe) verpflichtet, einzugreifen und in Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur „nachzuhelfen“. Ein Eingriff muss derzeit als sehr wahrscheinlich angesehen werden.
Mit anderen Worten: Dann wird Gas gekauft, egal, was es kostet. Die Kosten, die THE dabei entstehen, übernimmt seit diesem Jahr freundlicherweise der Bund. Welche Auswirkungen ein ganz großer Player, der auf jeden Fall und zu jedem Preis kaufen muss, im Markt hat, war 2022 zu beobachten.
Insbesondere am kurzen Ende sind die Gaspreise sehr deutlich gestiegen, liegen aber immer noch unter 60 €/MWh. Damit überhaupt zusätzliche Gasmengen nach Europa kommen, müssten die Preise über denen in Asien (JKM=Japan Korea Marker) liegen, was seit Monaten nicht der Fall ist. Vergleicht man die Situation mit 2021/22, braucht man sich auch nicht über dreistellige Preise in naher Zukunft zu wundern.

Der Strommarkt hat die Preisentwicklung des Gasmarktes grundsätzlich nachvollzogen. Das Jahr 2027 notiert jetzt zwar über 100 €/MWh, schon 2028 sollen es aber nur noch 86 €/MWh sein. Selbst bei aktuellem Gaspreisniveau erscheinen Winter und 2027 immer noch unterbewertet. Für ein realistisches Gaspreisniveau gilt das erst recht.
Übrigens steigen auch die Stromnetzentgelte nächstes Jahr wieder, denn die Regierung will den Netzentgeltzuschuss deutlich kürzen.
