Derzeit jubelt die Wärmepumpenlobby, wie gut und richtig es ist, mit einer Wärmepumpe zu heizen, statt mit einer Gasheizung. Es wird viel über explodierende Gaspreise berichtet und suggeriert, die Strompreise seien nicht betroffen. Überhaupt kommt ja der ganze Strom aus der eigenen PV-Anlage. Es gibt viele Menschen, die das glauben, und viele Lobbyisten, die sie darin bestärken. Wie sieht es mit der Realität aus?
Da insbesondere die Spotpreise für Strom starken stochastischen und saisonalen Schwankungen unterworfen sind, müssen mehrere und längere Lieferzeiträume sowie die sonstigen Einflussgrößen auf die Preise betrachtet werden.
In den ersten drei Märzwochen sind die Spotpreise für Gas (THE) um 46% gegenüber den ersten drei Februarwochen gestiegen, während die Spotpreise Strom nur um 5% gestiegen sind. Die Strompreise am Spotmarkt fallen im März für gewöhnlich, weil der Residualbedarf saisonbedingt sinkt. So sind 2025 die Spotpreise Strom von 128,5 €/MWh im Februar auf 94,7 €/MWh im März gesunken.
Im betrachteten Zeitraum ist der Residualbedarf, also der Strombedarf abzüglich der EE-Stromerzeugung um 18% gesunken. Die Folge ist, dass in geringerem Zeitumfang Gaskraftwerke preissetzend waren.
Der CO2-Preis ist um 8% gesunken, was sehr ungewöhnlich ist, denn höhere Gaspreise bedeuten mehr Kohlestrom und damit höhere CO2-Emissionen. Jeder Gaspreisanstieg der letzten 21 Jahre war deswegen immer mit einem CO2-Preisanstieg gekoppelt. Dass das diesmal nicht so ist, liegt an der politischen Diskussion über die Zukunft des Emissionshandels.
Die Betrachtung der prozentualen Preisänderung ist zudem nur ein Teil der Wahrheit, denn Rechnungen werden in Euro beglichen und nicht in Prozent. Strom ist 5,1 €/MWh teurer geworden, Gas hingegen 16,6 €/MWh. Der Emissionshandel sorgt beim Strom für ein hohes Preisniveau, losgelöst von Brennstoffpreisen.
Bei der Betrachtung der Terminpreisentwicklung stellt sich das Bild ausgeglichener dar, weil hier der saisonale Effekt eliminiert wird. Die Preise für 2027 sind vom 27.02.2026 zum 23.03.2026 beim Gas um 67% gestiegen, beim Strom nur um 23%. Die absoluten Preissteigerungen liegen für Gas bei 18,6 €/MWh und für Strom bei 18,2 €/MWh. Beim Winterquartal Q4/2026 kippen die Verhältnisse ganz. Hier ist Gas um 76% und Strom um 37% gestiegen, das entspricht beim Gas 25,2 €/MWh und beim Strom 35,2 €/MWh. Der Laie mag sich wundern, der Profi nicht, denn im Winter ist die EE-Stromerzeugung niedriger, der Strombedarf höher, die Residuallast viel höher und deswegen Gaskraftwerke fast durchgehend preissetzend, während es im Jahresmittel nur rund 50% der Zeiten sind.
Leider hat die Abhängigkeit der Stromerzeugung von Gaskraftwerken seit 2019 nicht abgenommen, sondern sogar zugenommen. 2019 betrug der Anteil der Gaskraftwerke 10,6% an der Stromerzeugung, 2025 waren es 14,2% – trotz gesunkenen Verbrauchs und deutlich höherer EE-Stromerzeugung. Die zahlreichen Märchenerzähler hierzulande wollen uns weismachen, dass man mit einer Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energien gleichzeitig jeweils eine Kilowattstunde Strom aus Kernenergie, Kohle und Erdgas sowie den altersbedingt abgängigen alten Windkraftanlagen ersetzen und gleichzeitig jeweils eine Kilowattstunde für Wärmepumpen, E-Autos, grünen Wasserstoff, (KI-)Rechenzentren und die Elektrifizierung der Industrie bereitstellen kann.
Die Stromerzeugung aus einem der zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke betrug ca. 12 TWh im Jahr. Eine moderne Windkraftanlage produziert grob 12 GWh. Es bedarf also 1000 neuer Anlagen, um die gleiche Strommenge zu ersetzen, allerdings wird dann der Strom nicht zur richtigen Zeit und am richtigen Ort produziert. In den letzten drei Jahren zusammen sind nur 1000 Anlagen netto (also abzüglich Rückbauten) errichtet worden.
Anstatt Milliarden Euro für Wärmepumpen und E-Autos, für die noch lange kein „grüner“ Strom verfügbar sein wird, zu verschwenden und alberne Mini-PV-Anlagen, die nur im Sommer, ein paar kWh erzeugen und das Stromnetz destabilisieren, sollten wir uns lieber endlich darum kümmern, in großem Stil Windstrom zu erzeugen, und zwar da, wo er gebraucht wird.
Aber eine eigene PV-Anlage hilft doch bei der Wärmepumpe? Nein. Folgendes Bild zeigt die monatliche Aufschlüsselung von Stromverbrauch, Netzbezug und Netzeinspeisung von meiner PV-Anlage. Die Anlage hat 10 kW Peak und eine Batterie mit 13,4 kWh. Es handelt sich inzwischen um einen Zwei-Personenhaushalt ohne Wärmepumpe und ohne E-Auto. Die Anlage ist somit sehr groß dimensioniert. Trotzdem ist der Stromverbrauch im Winter deutlich höher als im Sommer, es gibt so gut wie keine Rückspeisung, fast der gesamte Strom kommt aus dem Netz. Im Sommer hingegen wird praktisch kein Strom mehr aus dem Netz bezogen, dafür ganz viel eingespeist.

Wo würde also der Strom für eine Wärmepumpe herkommen, wenn diese abgesehen von der Warmwasserbereitstellung ausschließlich im Winter Strom verbraucht? Richtig, aus der Steckdose. Welche Gas- und CO2-Einsparung wäre damit verbunden? Fast keine. Erst die EE-Stromerzeugung und die Netze bauen und dann die Verbraucher, führt zum Ziel.