Strommarkt Frankreich

Frankreich hat als größter Stromerzeuger in Europa und wichtigster Handelspartner für den deutschen Strommarkt erhebliche Bedeutung.

Frankreich hat mit rund 63 GW nach den USA die größte installierte Kernkraftwerksleistung in der Welt. Damit hat Frankreich den mit großem Abstand höchsten Anteil an Kernenergie in der Stromerzeugung weltweit. Die Kernkraftwerke sind im Durchschnitt bereits mehrere Jahrzehnte alt, das jüngste ging 2002 ans Netz. Der neue Reaktor in Flamanville ist in der Aufstellung noch nicht enthalten. Er wurde zwar Ende 2024 bereits mit dem Netz synchronisiert, muss aber 2026 noch repariert werden , bevor er mit voller Leistung zur Verfügung steht. Der Bau hat statt fünf Jahren 17 Jahre gedauert und statt 3,3 Mrd. Euro über 13 Mrd. Euro gekostet. Die ähnlichen Reaktoren vom Typ EPR (European Pressurized Reactor) in Finnland und UK weisen ebenfalls massive Bauverzögerungen und Kostensteigerungen auf.

Die neu geplanten Kernkraftwerke werden nicht vor 2038 ans Netz gehen. Die Abschaltung von bestehenden Kernkraftwerken ist bislang durch Laufzeitverlängerungen immer wieder verschoben worden.

Die Onshore Windkraft ist in den Letzten Jahren ausgebaut worden, mit knapp 25 GW liegt die Leistung nur bei gut einem Drittel derjenigen in Deutschland, obwohl die Windbedingungen entlang der langen Küsten von Atlantik und Kanal deutlich besser sind als bei uns. In Frankreich regt sich starker Widerstand gegen Windkraft, der Front National lehnt sie gar gänzlich ab. Die Offshore-Windkraft steckt noch in den Anfängen, weist aber ebenfalls große Potenziale auf, zumal die Windparks nicht so weit vor der Küste gebaut werden wie in Deutschland.

Die Kapazitäten an Laufwasser (hier einschließlich des Gezeitenkraftwerks in St. Malo) und vor allem Speicherwasserkraftwerken sind deutlich größer als in Deutschland. Die Solarstromkapazität hingegen liegt nicht einmal bei 20% derjenigen in Deutschland. Es gibt nur sehr wenig fossile Kraftwerke, selbst für Erdgas gibt es nur ca. 13 GW, Deutschland hat über 30 GW. Abgesehen vom Anwachsen der Wind- und Solarkapazitäten gibt es nur wenige Änderungen über die Jahre.

Kraftwerkskapazitäten Frankreich

Die Stromerzeugung insgesamt weist noch deutlichere Unterschiede zwischen Winter und Sommer auf als in Deutschland. Ursache sind die vielen Elektroheizungen in Südfrankreich. Selbst der höhere Klimatisierungsbedarf dort als bei uns vermag das nicht zu kompensieren. Das liefert einen Vorgeschmack auf das, was in Deutschland mit zunehmendem Wärmepumpenstrombedarf zu erwarten ist.

Die Kernkraftwerke erzeugen im Winter deutlich mehr Strom als im Sommer (Revisionen und Kühlwassereinschränkungen), im Winter sind Revisionen sogar verboten. Die Windenergieanlagen erzeugen ähnlich wie bei uns im Winter ebenfalls mehr Strom. Der übrige Mehrbedarf im Winter wird von den Gaskraftwerken geliefert.

Stromerzeugung Frankreich 2024

Das hohe Alter der französischen Kernkraftwerke hat schon mehrfach zu technischen Problemen geführt, allerdings auch bei jüngeren Anlagen. Da die Kernkraftwerke in Konvoi-Bauweise errichtet worden sind, um Kosten zu sparen, bedeutet das Auftreten von Problemen in einer Anlage die notwendige Überprüfung und ggfs. Reparatur einer ganzen Reihe von Anlagen. Das war in den vergangenen zehn Jahren immer wieder zu beobachten. Der vorläufige Höhepunkt war 2022 als im Jahresmittel nicht einmal 35 GW zur Verfügung standen, also rund 10 GW weniger als üblich. Die Kühlwasserprobleme waren in dem Jahr auch besonders ausgeprägt. Der Wert für 2025 ist naturgemäß noch vorläufig. Die Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke ist ein maßgeblicher Faktor für die Spotpreise in Mitteleuropa.

Verfügbrkeit der Kernkraftwerke in Frankreich

Der Kernkraftwerkspark ist seinerzeit von vornherein nicht nur für den französischen Strombedarf, sondern auch für den gesicherten, langjährigen Export in Nachbarländer, insbesondere nach Italien, geplant worden. Italien verfügte nur über sehr geringe Kohlevorkommen und ist als Kernkraftwerksstandort wegen Erdbebengefahr ungeeignet. Diese langfristigen Stromlieferverträge sind losgelöst von dem Geschehen an den heutigen Spot- und Terminmärkten. Solche Verträge sind für Deutschland in der Politik auch schon diskutiert worden.

Dementsprechend weist Frankreich in normalen Jahren einen deutlichen Exportüberschuss auf. Nur 2022 gab es wegen der geringen Kernkraftwerksverfügbarkeit einen Importüberschuss. Hauptabnehmerländer sind Italien (der größte Teil der Exporte in die Schweiz geht ebenfalls nach Italien) und UK, seit 2024 auch Deutschland und Belgien (von da teilweise ebenfalls nach Deutschland). Nach Spanien ist die Bilanz einigermaßen ausgeglichen, bei viel Sonnenstrom auf der iberischen Halbinsel drückt der Strom nach Frankreich. Aufgrund der hohen Exportsalden ist Frankreich derzeit der größte Stromerzeuger in Deutschland.

Stromexporte und -importe Frankreich

Die Strommärkte in Europa sind so eng gekoppelt, wie es die Netze zulassen. Die Spotpreise in Deutschland und Frankreich sind deswegen in vielen Stunden gleich. Bei hohen EE-Überschüssen in Deutschland sind sie hierzulande niedriger, gleiches gilt an kalten Wintertagen in Frankreich. Bei wenig Wind, insbesondere im Sommerhalbjahr, hingegen sind sie in Frankreich niedriger. Insgesamt waren die Preise je nach Wetter und Kraftwerksverfügbarkeit in Frankreich meist etwas höher, 2022 sogar sehr deutlich. Seit 2024 (2025 wird es sehr wahrscheinlich genauso sein) sind die Spotpreise in Frankreich im Jahresmittel hingegen deutlich niedriger als bei uns. Gründe sind der EE-Ausbau in Frankreich sowie die Abschaltung von Kernkraftwerken und Kohlekraftwerken in Deutschland.

Für Strompreisvergleiche bei Endverbrauchern und Industrieunternehmen kommt es zusätzlich auf Netzentgelte, Umlagen etc. an. Diese sind in Frankreich viel niedriger als bei uns. Außerdem gibt es seit jeher in Frankreich für stromintensive Großunternehmen einen “Industriestrompreis”.

Durchschnittliche Jahresspopreise Strom Frankreich

Entsprechend dem saisonalen Verlauf von Stromverbrauch und EE-Stromerzeugung weisen die monatlichen Durchschnittsspotpreise einen sehr ausgeprägten “Badewannenverlauf” auf. In den Wintermonaten kostet der Strom doppelt soviel wie im Sommer. Der Preisunterschied beträgt mehr als 5 ct/kWh.

Durchschnittliche Monatsspotpreise Strom Frankreich
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