Strommarkt Europa 2024

Deutschland ist stromnetzseitig mit vielen Ländern Europas direkt verbunden, so dass diese Nachbarmärkte die deutschen Strompreise beeinflussen. Außerdem spielen die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung in den anderen EU-Ländern eine wichtige Rolle für den CO2-Preis.

Die Stromerzeugung in der EU basierte 2024 grob zur Hälfte auf erneuerbaren Energieträgern, ein Viertel stammte aus Kernenergie und ein Viertel aus fossilen Energiequellen. Andere Energieträger sind u.a. Öl, Biomasse, Abfall und Geothermie. Kohle umfasst auch Kohlegas und Torf. Insgesamt wurden 2.440 TWh Strom erzeugt, etwas mehr als 2023. Der Stromaustausch mit Nachbarländern der EU war insgesamt ausgeglichen. Hauptimportländer waren Norwegen und die Schweiz, Hauptexportland UK.

Die folgende Darstellung zeigt den Energieträgermix der öffentlichen Stromerzeugung wichtiger EU-Länder sowie Norwegens und der Schweiz. Die Daten stammen vom Verband der Übertragungsnetzbetreiber Entso-E. Die gewählten EU-Länder repräsentieren über 90% der Stromerzeugung in der EU und fast 90% der EU-Bevölkerung. Die Länder im linken Teil sind direkt mit dem deutschen Markt verbunden, Norwegen und Schweden über Seekabelverbindungen.

Die öffentliche Stromerzeugung umfasst nur die in das Stromnetz eingespeiste Menge, nicht jedoch Eigenversorgungsmengen von Unternehmen und Haushalten mit Solarenergie und Industriekraftwerken oder BHKW.

Frankreich hat bekanntermaßen einen weltweit beispiellos hohen Anteil an Kernenergie und ist mit Abstand der größte Nettoexporteur in der EU mit 89 TWh Export, was rund 15% der Stromerzeugung entspricht. 2024 ist die Verfügbarkeit der Kernkraftwerke hoch gewesen, die Stromerzeugung belief sich auf 360 TWh. 2022 lag die Stromerzeugung aus Kernenergie nur bei 278 TWh. Die Stromexporte sind zum Teil sehr langfristig, mitunter schon beim Bau der Kernkraftwerke vereinbart worden und unterliegen nicht den üblichen Marktpreisen. Ähnliches schwebt der Union für künftige Kernkraftwerksbauten in Europa vor. Hauptabnehmer sind Italien (zum Teil über die Schweiz), aber auch die anderen Nachbarländer einschließlich UK.

Die meisten europäischen Länder verfügen über Kernkraftwerke, allerdings ist deren Zahl altersbedingt rückläufig. Deutschland, Polen und Tschechien haben die größten Kohlestromanteile und die größten Kohlestrommengen. In Polen handelt es sich größtenteils um eigene, subventionierte Steinkohle, in Tschechien um Braunkohle.

Italien hat den höchsten Erdgasanteil an der Stromerzeugung und importiert im Saldo 52 TWh Strom, größtenteils aus Frankreich. Spanien hat die ausgeglichenste Erzeugungsstruktur und exportiert 11 TWh nach Portugal. Deutschland war 2024 mit 28 TWh der zweitgrößte Importeur von Strom. Große Exporteure sind neben Frankreich auch Norwegen und Schweden.

Die Stromaustauschdaten sind aus den Salden mit den einzelnen Ländern aufaddiert. Es gibt in der Regel auch zeitweise Stromhandel in die andere Richtung. Die Bilanz ist insofern verkürzt.

Deutschland, Österreich und die Schweiz sind in hohem Maße Stromtransitländer. Einerseits wird Strom aus Wasserkraft und Windenergie von Norden nach Süden transportiert, andererseits Atomstrom von Westen nach Osten. Solarstrom hingegen wird mehr und mehr von Süden nach Norden transportiert.

Diese Verhältnisse spiegeln sich auch in den durchschnittlichen Spotpreisen (Day ahead) wider. Im Norden und Südwesten sind die Preise dank billiger Wasserkraft, Kernenergie (billig bei den variablen Kosten!) und Solarenergie niedrig, während sie nach Osten und Südosten, wo das Angebot regenerativer Energie mäßig und der Kernenergieanteil gering ist, ansteigen. Hinzu kommen teilweise noch unzureichende Kraftwerkskapazitäten mit häufigen Knappheitspreisen.

Die Preise für Dänemark sind aus dem arithmetischen Mittelwert der beiden Preiszonen gebildet. Bei den Preisen für Norwegen und Schweden handelt es sich um die der (teuersten) Preiszone, in der die Seekabel angeschlossen sind. Für Italien ist nur die nördliche Preiszone dargestellt. Der Preisunterschied zwischen Deutschland und Österreich gibt einen Hinweis darauf, wie sich zwei Preiszonen in Deutschland auswirken würden, nämlich nur sehr wenig.

Die Preise in Polen, Tschechien und anderen osteuropäischen Ländern waren früher eher günstiger als in Mitteleuropa. Durch die hohen CO2-Preise ist die Kohleverstromung jedoch sehr teuer geworden. Das mäßige Angebot an erneuerbaren Energien erklärt, warum diese Länder auf Kernenergie setzen. Die Spotpreise in Frankreich lagen 2023 noch leicht über denen in Deutschland.

Die Stromverbräuche (ohne Eigenversorgung) je Einwohner (nicht zu verwechseln mit dem Haushaltsstromverbrauch) sind das Ergebnis von Wohlstand, Ausmaß der Industrie, Energieeffizienz, vor allem aber von Strombedarf für Heiz- und Klimatisierungszwecke und künftig auch für Elektromobilität.

Dementsprechend haben die skandinavischen Länder einen sehr hohen Pro-Kopf-Verbrauch, weil hier sehr viel mit Strom geheizt wird, dazu kommen kalte Winter; Wohlstand und Industrialisierung sind hoch, Elektromobilität ist bereits weit verbreitet. Die Zahlen geben einen Einblick, wohin sich auch in den mitteleuropäischen Ländern der Strombedarf entwickeln soll.

Deutschland liegt genau im Mittel der EU. Frankreich hat einen deutlich höheren Verbrauch, was an weit verbreiteten Elektroheizungen im Süden liegt.

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